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Titius-Bode-Reihe
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Die Titius-Bode-Reihe (auch titius-bodesche Reihe, bode-titiussche Beziehung, bodesche Regel und dergleichen) ist eine von Johann Daniel Titius empirisch gefundene und von Johann Elert Bode bekanntgemachte numerische Beziehung, nach der sich die AbstÀnde der meisten Planeten von der Sonne mit einer einfachen mathematischen Formel nÀherungsweise allein aus der Nummer ihrer Reihenfolge herleiten lassen.

Contents

‱ Formel
‱ Geschichte
‱ Hegel
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Formel

Titius nahm die Zahlenfolge 0, 3, 6, 12, 24, 48, 96 usw., in der nach der 3 jede Zahl das Doppelte der vorangegangenen ist, und addierte zu jeder Zahl 4. In der sich daraus ergebenden Zahlenfolge ordnete er dem mittleren Bahnradius der Erde die Zahl 10 zu und erhielt mit diesem Maß die Entfernungen aller bekannten Planeten von der Sonne.

Nach der Formulierung von Titius und Bode ergibt sich als ursprĂŒngliche Formel:

R n = 4 + 3 ⋅ ⋅ 2 n {\displaystyle R_{n}=4+3\cdot 2^{n}}

Der Exponent n steht, beginnend bei Merkur, fĂŒr den Index der Folge −∞, 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6 usw.
Hieraus ergeben sich von Merkur bis Saturn die zugehörigen Glieder der Folge (kurz: die Zahlenfolge) 4, 7, 10, 16, 28, 52, 100 
cite-ref-1[Anm. 1]

Erst in der modernen Form der Formel von Johann Friedrich Wurm aus dem Jahr 1787 ist a der mittlere Abstand eines Planeten von der Sonne, der an der mittleren Entfernung der Erde in Astronomischen Einheiten gemessen wird:

a n = 0 , 4 + 0 , 3 ⋅ ⋅ 2 n {\displaystyle a_{n}=0{,}4+0{,}3\cdot 2^{n}}

Vergleich mit Messwerten

Planet n Abstand nach T-B Wirklicher Abstand (AE) Abweichung Merkur −∞ 0,4 (0,39) (+ 2,56 %) Venus 0 0,7 (0,72) (− 2,78 %) Erde 1 1,0 (1,00) (0,00 %) Mars 2 1,6 (1,52) (+ 5,26 %) (Ceres) 3 2,8 (2,77) (+ 1,08 %) Jupiter 4 5,2 (5,20) (0,00 %) Saturn 5 10,0 (9,54) (+ 4,82 %) Uranus 6 19,6 (19,19) (+ 2,14 %) Neptun – – (30,06) (–) (Pluto) 7 38,8 (39,48) (− 1,72 %) (Eris) 8 77,2 (67,7) (+ 14,00 %)

Die Regel stimmt zumeist bis auf wenige Prozent mit den tatsĂ€chlichen VerhĂ€ltnissen ĂŒberein. Allerdings gibt es einige Unstimmigkeiten:

‱ FĂŒr Merkur mĂŒsste der Wert n gemĂ€ĂŸ der ĂŒbrigen Folge nicht −∞, sondern −1 sein, was einen Abstand von 0,55 AE ergĂ€be.
‱ Zwischen Mars und Jupiter befindet sich der AsteroidengĂŒrtel. Der grĂ¶ĂŸte Körper hierin ist die Ceres, die kein Planet, sondern ein Zwergplanet ist.
‱ Neptun hat keinen Platz in dieser Reihe. Bei Neptun wird aber die Möglichkeit diskutiert, dass er ursprĂŒnglich an anderer Stelle im Sonnensystem entstand und durch Wechselwirkung mit den anderen Planeten oder mit großen am Sonnensystem vorbeiziehenden Objekten an seine heutige Stelle wanderte (siehe Abschnitt Entstehung und Migration im Artikel zu Neptun)
‱ Der Zwergplanet Pluto hat im Gegensatz zu den Planeten eine stark exzentrische Bahn mit einem Sonnenabstand zwischen 29,7 und 49,3 AE. Diese Differenz entspricht etwa dem Durchmesser der Saturnbahn oder dem Abstand des Uranus zur Sonne, insofern ist der Wert der Vorhersage der Titius-Bode-Reihe fĂŒr den mittleren Bahnradius des Pluto noch geringer als bei den ĂŒbrigen Planeten.
‱ Eris ist ein Zwergplanet wie Ceres und Pluto, passt aber im Gegensatz zu diesen nicht so gut in die Reihe.

Geschichte

Bereits Johannes Kepler suchte geometrische Beziehungen fĂŒr Planeten und ihre Bahnen. In seinem 1596 veröffentlichten Buch Mysterium cosmographicum setzte Kepler die Bahnen der damals bekannten Planeten Merkur bis Saturn als Querschnitt von Kugelschalen mit der OberflĂ€che der fĂŒnf platonischen Körper in Beziehung. Zwischen den ineinander verschachtelten BahnsphĂ€ren der sechs Planeten passten nach einigen Korrekturen die einzelnen OberflĂ€chen der fĂŒnf platonischen Körper je nach ihrer Form als Abstandshalter gerade so hinein. In seinem 1619 erschienenen Werk Harmonice mundi („Weltharmonik“) entwickelte er diese Theorie weiter.

Isaac Newton erklĂ€rte 1692 die LĂŒcke zwischen Mars und Jupiter durch die göttliche Vorhersehung, die großen Planeten hĂ€tten sonst die Bahnen der Kleinen nahe der Sonne stark gestört.cite-ref-2[1]

David Gregory veröffentlichte in seinem verbreiteten Astronomielehrbuch The Elements of Astronomy (lateinisch zuerst 1702, englisch zuerst 1715 erschienen) fĂŒr die durchschnittlichen AbstĂ€nde der bekannten Planeten eine Zahlenreihe, nach der sich der mittlere Bahnradius der Erde aus zehn Einheiten zusammensetzt und sich fĂŒr die Planeten Merkur bis Saturn die Werte 4, 7, 10, 15, 52 und 95 ergeben. Das wurde vom Philosophen Christian Wolff ohne Herkunftsangabe in sein zuerst 1724 veröffentlichtes Buch VernĂŒnfftige Gedanken von den Absichten der natĂŒrlichen Dinge aufgenommen.

Johann Heinrich Lambert sah 1761 die Ursache der LĂŒcke zwischen Mars und Jupiter in der großen gravitativen Wechselwirkung von Jupiter und Saturn, die einen dort möglicherweise frĂŒher vorhandenen Planeten in seiner Bahn destabilisiert hĂ€tten.

1766 entwarf Johann Daniel Titius eine Formel mit einer fast gleichen Abstandsreihe wie David Gregory. Johann Elert Bode fand sie in einer Fußnote in dem – durch Titius ĂŒbersetzten – weit verbreiteten Buch Contemplation de la nature von Charles Bonnet und hat sie im Jahr 1772 in seiner Anleitung zur Kenntnis des gestirntes Himmels allgemein bekannt gemacht. Dabei erwĂ€hnte er Titius zunĂ€chst nicht, holte das aber spĂ€ter nach.

In der Formulierung von Titiuscite-ref-3[2]:

„Gebet einmal auf die Weite der Planeten von einander Achtung; und nehmet wahr, daß sie fast alle in der Proportion von einander entfernt sind, wie ihre körperlichen GrĂ¶ĂŸen zunehmen. Gebet der Distanz von der Sonne bis zum Saturn 100 {\displaystyle 100} Theile, so ist Mercurius 4 {\displaystyle 4} solcher Theile von der Sonne entfernt, Venus 4 + 3 = 7 {\displaystyle 4+3=7} , die Erde 4 + 6 = 10 {\displaystyle 4+6=10} , Mars 4 + 12 = 16 {\displaystyle 4+12=16} . Aber sehet, vom Mars bis zum Jupiter kömmt eine Abweichung von dieser so genauen Progression vor. Vom Mars folgt ein Raum von 4 + 24 = 28 {\displaystyle 4+24=28} solcher Theile, darinn weder ein Haupt- noch ein Nebenplanete zur Zeit gesehen wird. Und der Bauherr sollte diesen Raum ledig gelassen haben ? Nimmermehr ! Lasset uns zuversichtlich setzen, daß dieser Raum sonder Zweifel den bisher unentdeckten Trabanten des Mars zugehöre; laßt uns hinzuthun, daß vielleicht auch Jupiter noch etliche um sich habe, die bis itzt noch mit keinem Glase gesehen werden. Von diesem, uns unbekannten Raume erhebt sich Jupiters Wirkungskreis in 4 + 48 = 52 {\displaystyle 4+48=52} und Saturnus seiner, in 4 + 96 = 100 {\displaystyle 4+96=100} solcher Theile. Welches bewunderungswĂŒrdige VerhĂ€ltniß !“

Die Werte sind nicht genau dieselben wie bei Wolff oder Gregory (die wiederum auch nicht völlig genau den damals bekannten Beobachtungswerten entsprachen, veröffentlicht etwa bei William Whiston), aber wie Titius in der vierten Auflage der Übersetzung schrieb, hatte er sie zuerst von Wolff.cite-ref-4[3]

Die zufĂ€llige Entdeckung des Uranus 1781 durch Wilhelm Herschel, der ihn zunĂ€chst fĂŒr einen Nebel oder Kometen hielt, bedeutete eine BestĂ€tigung dieser Regel und ließ sie fĂŒr alle damals bekannten Planeten als Gesetz erscheinen. Viele Astronomen suchten nun nach einem Planeten in der LĂŒcke zwischen Mars und Jupiter, beginnend mit Franz Xaver von Zach (ab 1787), dem Hofastronomen in Gotha. 1788 trafen sich sechs Astronomen, darunter Zach und Heinrich Wilhelm Olbers, in Lilienthal bei Bremen, was den Keim fĂŒr ein europaweites Beobachternetz zur Suche nach dem fehlenden Planeten lieferte. In der Nacht zum 1. Januar 1801 spĂŒrte eines der Mitglieder dieses Beobachtungsnetzwerks, Giuseppe Piazzi, in Palermo einen Himmelskörper auf, den man dieser Entfernung zuordnen konnte. Es war der Asteroid Ceres, der erste entdeckte Kleinplanet und der mit Abstand grĂ¶ĂŸte dieser (auch Planetoiden genannten) Körper, der zusammen mit dem ganzen AsteroidengĂŒrtel diese LĂŒcke schloss. Seit August 2006 hat Ceres den neuen Status eines Zwergplaneten. Piazzi selbst war lange im Zweifel, ob es sich nicht doch um einen Kometen handelte (mit einer Parabel als Bahn in erster NĂ€herung). Carl Friedrich Gauß berechnete aber die elliptische Planetenbahn fĂŒr Ceres so, dass Zach ihn Ende des Jahres 1801 wiederfinden konnte. Das war zum einen ein Triumph fĂŒr den jungen Gauß auf dem klassischen mathematischen Gebiet der Himmelsmechanik, der damals außerdem gerade sein epochales Zahlentheorie-Lehrbuch Disquisitiones Arithmeticae veröffentlichte, und bedeutete gleichzeitig, dass Ceres kein Komet war. Gauß hielt im Übrigen das Gesetz von Titius-Bode nur fĂŒr eine zufĂ€llige Koinzidenz.cite-ref-5[4] William Herschel fand noch im selben Jahr heraus, dass Ceres kleiner als die bekannten Planeten war. 1804 wurden mit Juno und 1807 mit Vesta (durch Olbers) weitere Kleinplaneten im AsteroidengĂŒrtel gefunden.

Als 1846 aber der Planet Neptun entdeckt wurde, passte dieser ĂŒberhaupt nicht in die Titius-Bode-Reihe. Das offensichtliche Versagen des Gesetzes fĂŒhrte nun dazu, dass die Astronomen solchen Zahlenspielereien skeptisch begegneten, zum Beispiel bei der Analogie von Daniel Kirkwood (1849). Charles Sanders Peirce sah in der Regel gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Beispiel fĂŒr Denkfehler in den Wissenschaften.cite-ref-6[5]

Hegel

Eine weit verbreitete Anekdote behauptet, Georg Wilhelm Friedrich Hegel habe in seiner Dissertation 1801 mit Hilfe einer geometrischen Reihe, die er statt der Titius-Bode-Reihe vorschlug, behauptet, bewiesen zu haben, dass es keinen Planeten zwischen Mars und Jupiter gĂ€be; und dies im selben Jahr, als Piazzi Ceres entdeckte und Hegel somit widerlegt hĂ€tte. Das ist noch lange danach von Astronomen und anderen benutzt worden, um Hegel lĂ€cherlich zu machen. Hegel ist aber spĂ€ter von anderen Astronomen in Schutz genommen worden.cite-ref-7[6]cite-ref-8[7] In dem kurzen Anhang zu seiner Dissertation behauptete er nicht, gezeigt zu haben, dass kein Planet in dieser LĂŒcke existiert (und Ceres erwies sich ja auch spĂ€ter nur als Kleinplanet mit zahlreichen weiteren Asteroiden in diesem Bereich), sondern kritisierte nur die damaligen BemĂŒhungen der Astronomen, aufgrund einer rein spekulativen mathematischen Formel, der Titius-Bode-Formel, dort nach einem Planeten zu suchen. Als BegrĂŒndung konstruierte er eine eigene Reihe ohne einen Planeten in dieser LĂŒcke, die auf einer geometrischen Reihe in Platons Dialog Timaios basierte, gleichsam als Beispiel, wie leicht man solche Hypothesen aufstellen könne.cite-ref-9[8]cite-ref-10[9]cite-ref-11[10]

Hegel ging von den beiden bei Plato zu findenden Folgen 1 , 2 , 4 , 8 {\displaystyle 1,2,4,8} und 1 , 3 , 9 , 27 {\displaystyle 1,3,9,27} aus (also geometrischen Folgen 2 n {\displaystyle 2^{n}} und 3 n {\displaystyle 3^{n}} ), die zusammengefasst die Folge 1 , 2 , 3 , 4 , 8 , 9 , 27 {\displaystyle 1,2,3,4,8,9,27} ergeben (die 27 {\displaystyle 27} bildet einen gewissen Abschluss, da sie Summe der vorangehenden Zahlen ist). Da 8 und 9 eng beieinander liegen, ersetzt er ohne genauere BegrĂŒndung 8 durch 16 (dem nĂ€chsten Folgenglied in der ersten Folge von Zweierpotenzen nach 8), so dass die Folge 1 , 2 , 3 , 4 , 9 , 16 , 27 {\displaystyle 1,2,3,4,9,16,27} entsteht. Wichtig ist ihm der große Abstand zwischen 4 und 9, da der gerade den in der Titius-Bode-Reihe vorhergesagten Ort eines unbekannten Planeten ĂŒberbrĂŒckt. Danach ersetzt er als Skalierung der Folge 1 {\displaystyle 1} durch 3 1 3 ≈ ≈ 1 , 44 {\displaystyle 3^{\frac {1}{3}}\approx 1{,}44} (Merkur) und die ĂŒbrigen Zahlen x {\displaystyle x} durch x 4 3 {\displaystyle x^{\frac {4}{3}}} . Aus 2 {\displaystyle 2} wird 2 , 5 {\displaystyle 2{,}5} und dann fĂŒr die ĂŒbrigen Folgenglieder: 4 , 3 {\displaystyle 4{,}3} (fĂŒr 3 {\displaystyle 3} ), 6 , 34 {\displaystyle 6{,}34} (fĂŒr 4 {\displaystyle 4} ), 18 , 7 {\displaystyle 18{,}7} (fĂŒr 9 {\displaystyle 9} ), 40 , 3 {\displaystyle 40{,}3} (fĂŒr 16 {\displaystyle 16} ) und 81 {\displaystyle 81} (fĂŒr 27 {\displaystyle 27} ). Hegel selbst gibt als Ergebnis an: Merkur 1,4, Venus 2,56, Erde 4,37, Mars 6,34, Jupiter 18,75, Saturn 40,34, Uranus 81. Es ergibt sich also eine Reihe ohne LĂŒcke zwischen Jupiter und Mars. Dividiert man diese Werte durch den Abstandswert der Erde, erhĂ€lt man in Astronomischen Einheiten (AE): 0,32 (Merkur), 0,58 (Venus), 1 (Erde), 1,45 (Mars), 4,3 (Jupiter), 9,2 (Saturn), 18,5 (Uranus). Danach untersucht er auch noch kurz die VerhĂ€ltnisse bei den Satelliten von Jupiter und Saturn.

Hegel akzeptierte aber die neu entdeckten Kleinplaneten in seinen Vorlesungen ĂŒber Naturphilosophie und reihte sie unter die Planeten ein.cite-ref-12[11]

Nach einer neuen Interpretation hatte Hegel fĂŒr den Planeten-Anhang keine ernsthaften Theorieabsichten, sondern versuchte vielmehr sich ĂŒber die apriorische Astrophysik seiner Zeit lustig zu machen, indem er u. a. die Witz-Definition Christian Wolffs fĂŒr sich nutzbar machte.cite-ref-13[12]

Interpretation und Kontroverse

Eine verbreitete Meinung ist, die Titius-Bode-Reihe passe nur fĂŒr die inneren Planeten, versage bereits beim AsteroidengĂŒrtel und gelte spĂ€testens seit der Entdeckung des Planeten Neptun als ĂŒberholte Zahlenspielerei. Es ist bisher kein physikalischer Mechanismus bekannt, der eine bestimmte Reihe von AbstĂ€nden der Planeten erzeugt.

Aufschlussreicher fĂŒr die himmelsmechanische Organisation des Planetensystems ist die Betrachtung der Umlaufzeiten. Die Umlaufperioden der jeweils benachbarten Planeten befinden sich zueinander in KommensurabilitĂ€t; das heißt, sie stehen in einem VerhĂ€ltnis, das auf einem gemeinsamen Maß beruht und sich – teils annĂ€hernd, teils ziemlich exakt – durch BrĂŒche mit kleinen ganzen Zahlen im ZĂ€hler und Nenner ausdrĂŒcken lĂ€sst (siehe Tabelle rechts).

| Merkur | | 2:5 | (2:5,11) | | Venus |
|---|---|---|---|---|---|
| Venus | | 8:13 | (8:13,004) | | Erde |
| Erde | | 1:2 | (1:1,88) | | Mars |
| Mars | | 2:5 | (2:4,89) | | (Ceres) |
| (Ceres) | | 2:5 | (2:5,15) | | Jupiter |
| Jupiter | | 2:5 | (2:4,97) | | Saturn |
| Saturn | | 1:3 | (1:2,85) | | Uranus |
| Uranus | | 1:2 | (1:1,96) | | Neptun |
| Neptun | | 2:3 | (2:3,01) | | (Pluto) |

Solche Resonanzen (Near Mean Motion Resonance, NMMR) finden sich auch bei Betrachtung der Umlaufzeiten von Monden um Planeten. Es gibt störende und stabilisierende Resonanzen je nach VerhÀltnis der Umlaufzeiten. So gesehen beruht der Erfolg der Titius-Bode-Reihe im Allgemeinen auf den kommensurablen UmlaufverhÀltnissen und im Einzelnen auf dem empirischen Zurechtbiegen der einheitlichen Formel, um alle unterschiedlichen VerhÀltnisse möglichst genau zu erfassen.

Bei neueren Anwendungen wie bei den Exoplaneten werden verallgemeinerte Titius-Bode-Gesetze benutzt, von Timothy Bovairdcite-ref-14[13] zum Beispiel von der Form:cite-ref-15[14]cite-ref-16[15]

a n = a ⋅ ⋅ C n {\displaystyle a_{n}=a\cdot C^{n}}

mit a n {\displaystyle a_{n}} der großen Halbachse fĂŒr den n-ten Planeten, n = 0 , 1 , 2 , 3 , . . . {\displaystyle n=0,1,2,3,...} und den Parametern a , C {\displaystyle a,C} , wobei a {\displaystyle a} der großen Halbachse des ersten Planeten n = 0 {\displaystyle n=0} angepasst wird. Als partielle ErklĂ€rung wird angegeben, dass aufgrund des dritten Keplerschen Gesetzes ( T n ∌ ∌ a n 3 2 {\displaystyle T_{n}\sim a_{n}^{\frac {3}{2}}} ) dann eine ebensolche AbhĂ€ngigkeit fĂŒr die Umlaufperioden T n {\displaystyle T_{n}} folgt:

T n = α α ⋅ ⋅ D n {\displaystyle T_{n}=\alpha \cdot D^{n}}

mit D = C 3 2 {\displaystyle D=C^{\frac {3}{2}}} und damit ein VerhĂ€ltnis der Umlaufzeiten fĂŒr benachbarte Planeten:

T n + 1 T n = D {\displaystyle {\frac {T_{n+1}}{T_{n}}}=D}

Das wĂŒrde einem System entsprechen, in dem die Werte der ResonanzverhĂ€ltnisse einem einzigen Wert entsprechen und ein Titius-Bode-Gesetz umso besser die RealitĂ€t beschreibt, je weniger die Werte um einen Hauptwert streuen. Im Sonnensystem liegt dieser bei 5 2 {\displaystyle {\frac {5}{2}}} .

Simulationen zur Entstehung von Planetensystemen zeigen die PrĂ€ferenz fĂŒr bestimmte ResonanzverhĂ€ltnisse wie 5 2 {\displaystyle {\frac {5}{2}}} und 3 2 {\displaystyle {\frac {3}{2}}} zwischen den Umlaufzeiten benachbarter Planeten, die somit besonders stabil sind (Hills 1970).cite-ref-17[16] Dies ist umso deutlicher, je grĂ¶ĂŸer die Wechselwirkung benachbarter Planeten bei ihrer Entstehung ist. Jacques Laskar (2000)cite-ref-18[17] simulierte ein System von 10 5 {\displaystyle 10^{5}} Planetesimalen und fand, dass sich fĂŒr radiale Anfangs-OberflĂ€chendichten der Form ÎŁ ÎŁ ( r ) ∌ ∌ r − − 3 2 {\displaystyle \Sigma (r)\sim r^{-{\frac {3}{2}}}} (mit r {\displaystyle r} dem Radius) Reihen vom Titius-Bode-Typ ergaben. Diese Dichteverteilung ergab sich auch im Minimum-Mass-Solar-Nebula-Modell (MMSN-Modell) der Entstehung des Sonnensystems (C. Hayashi 1981cite-ref-19[18], S. J. Weidenschilling 1977cite-ref-20[19]).

Statistische Versuche zeigten aber auch, dass sich an ein hypothetisches Planetensystem fast immer eine einfache Formel anpassen lĂ€sst, wenn man Ă€hnliche Abweichungen wie bei der Titius-Bode-Folge zulĂ€sst. Diese Reihen sind zumeist fĂŒr jedes System anders. Sie ergeben Zahlenspielereien, die noch kein neues himmelsmechanisches Gesetz aufdeckten.

Unter der Annahme, dass es sich bei der Titius-Bode-Reihe nicht um Zufall oder nur um einen statistischen Effekt handelt, stellte man Hypothesen fĂŒr die oben genannten Ausnahmen auf. Man vermutete in Objekten des AsteroidengĂŒrtels BruchstĂŒcke eines ehemaligen Planeten, der in die wissenschaftlich-fantastische Literatur unter dem Namen Phaeton einging. SpĂ€tere Untersuchungen zeigten, dass die Gesamtmasse aller Asteroiden nur etwa fĂŒnf Prozent der Masse des Erdmondes betrĂ€gt und dass viele der Kleinkörper eher aus verschiedenen, einst grĂ¶ĂŸeren Asteroiden hervorgingen. Heute wird ĂŒberwiegend die Ansicht vertreten, dass der AsteroidengĂŒrtel direkt aus dem Staub des planetaren Nebel entstand. Die Weiterentwicklung zu einem regulĂ€ren Planeten wurde aber durch Jupiters gravitative Wirkung verhindert. Im AsteroidengĂŒrtel finden sich verschiedene LĂŒcken (KirkwoodlĂŒcke), in denen die ResonanzverhĂ€ltnisse mit Jupiter zur Destabilisierung fĂŒhrten. Eine andere Hypothese besagt, dass ein nahe vorbeiziehendes, massereiches Objekt die Umlaufbahnen von Neptun und Pluto verĂ€ndert haben könne.

Anwendung der Titius-Bode-Reihe auf extrasolare Planetensysteme

Als Astronomen um Tim Bovaird an der Australian National University in Canberra 27 extrasolare Planetensysteme analysiertencite-ref-21[20], fiel auf, dass diese der Titius-Bode-Formel zumeist genauer folgen als Himmelskörper in unserem Planetensystem – zu fast 96 %. Von 27 untersuchten Systemen sind bei 22 die Planeten gemĂ€ĂŸ der Titius-Bode-Regel aufgereiht. In drei FĂ€llen passt die Titius-Bode-Regel nicht. Das Sonnensystem ist sehr ausgedehnt. Dagegen sind jene 27 Systeme viel kompakter. Darin umrunden mitunter vier oder fĂŒnf Planeten den Zentralstern innerhalb der Merkurbahn.

Da mit Hilfe der Titius-Bode-Reihe aus der Umlaufbahn die Umlaufdauer und die maximale GrĂ¶ĂŸe möglicher Nachbarplaneten folgt, sagten die Astronomen die Umlaufbahn eines unbekannten Planeten im Sternensystem KOI 2722 voraus. Zwei Monate spĂ€ter fand man diesen Exoplaneten mit dem Weltraumteleskop „Kepler“.cite-ref-22[21]

Siehe auch
Literatur

‱ Michael Martin Nieto: The Titius-Bode law of planetary distances: its history and theory, Oxford: Pergamon Press 1972
‱ GĂŒnther Wuchterl: Die Ordnung der Planetenbahnen, Sterne und Weltraum, Teil 1, Heft 6, 2002, Teil 2, Heft 12, 2002

Weblinks

‱ E. Willerding: Betrachtungen zum Aufbau und zur Entstehung des Planetensystems (Memento vom 7. Juli 2007 im Internet Archive). (PDF)
‱ Ramon ParĂ©s: Distancias planetarias y Ley de Titius-Bode. (spanisch)
‱ milan.milanovic.org: Titius-Bode Law (Memento vom 28. Januar 2014 im Internet Archive) (englisch)
‱ Michael Hoskin, Bode’s law and the discovery of Ceres, Osservatorio Astronomico di Palermo Giuseppe S. Vaiana

Einzelnachweise

cite-note-21. ↑ Hoskin, Bode’s law and the discovery of Ceres, Observatorium Palermo. Er bezieht sich auf Newtons Brief am Bentley vom 2. Dezember 1692.
cite-note-32. ↑ Betrachtungen ĂŒber die Natur von Herrn Karl Bonnet, Leipzig 1774, Band 1, S. 9, Fußnote, Digitalisat 1, Digitalisat 2
cite-note-43. ↑ Hoskin, Bode®s law and the discovery of Ceres.
cite-note-54. ↑ Margaret Wertheim, Physics on the Fringe, Walker Books 2011
cite-note-65. ↑ Margaret Wertheim, Physics on the Fringe, 2011
cite-note-76. ↑ E. Craig, M. Hoskin, Hegel and the seven planets, Journal of the History of Astronomy, Band 23, 1992, S. XXIII, Online
cite-note-87. ↑ Dieter B. Herrmann, Hegels Dissertation und die Siebenzahl der Planeten, Sterne und Weltraum. Kontroversen und Legenden um einen vermeintlichen Irrtum. Sterne und Weltraum, Band 31, 1992, S. 688–691
cite-note-98. ↑ Dissertation von Hegel: De orbis planetarum, Digitalisat Bayerische Staatsbibliothek
cite-note-109. ↑ Siehe auch Thomas Sören Hoffmann, Georg Wilhelm Friedrich Hegel. A Propaedeutic, Brill, 2015, S. 103f
cite-note-1110. ↑ Ebenso Walter Jaeschke / Andreas Arndt, Die klassische deutsche Philosophie nach Kant. Systeme der reinen Vernunft und ihre Kritik 1785–1845. C.H. Beck, 2012, S. 561
cite-note-1211. ↑ Bertrand Beaumont, Hegel and the seven planets, in: Jon Stewart, The Hegel myths and legends, Northwestern University Press, 1996, S. 285–288
cite-note-1312. ↑ Jörg HĂŒttner: Hegel im witzigen Kontext. – Buchnotiz zu: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Dissertatio philosophica de orbitis planetarum [
]. In: Philosophische Rundschau. Band 70, Nr. 3, 2023, S. 367–375.
cite-note-1413. ↑ Timothy Bovaird, Charles Lineweaver, Exoplanet predictions based on the generalized Titius–Bode relation, Monthly Notices Royal Astron. Soc., Band 435, 2013, S. 1126–1139, Arxiv
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cite-note-2221. ↑ Guido Meyer: Planetenformel – irrer Zufall oder Naturgesetz? (abgerufen am 22. Juli 2014)

Anmerkungen

cite-note-1Anm. 1. ↑ Genau genommen handelt es sich im Falle n → → − − ∞ ∞ {\textstyle n\to -\infty } nicht um den Wert, sondern um den Grenzwert der Folge.